Eine verlässliche Softwareinventur ist die Grundlage für sauberes Endpoint Management. Ohne klare Sicht auf installierte Anwendungen wird es schwierig, Risiken zu bewerten, Supportfälle einzuordnen oder App-Prozesse sinnvoll zu steuern.

Mit Intune App Inventory baut Microsoft die App-Erkennung in Intune deutlich aus. Die Funktion liefert mehr Transparenz über installierte Anwendungen und wirft zugleich neue Fragen auf: Wie unterscheidet sie sich von Discovered Apps, wo liegen die Grenzen und wie lässt sie sich sinnvoll im Betrieb nutzen?

Dieser Artikel ordnet Intune App Inventory fachlich ein und zeigt, worauf es bei der Nutzung ankommt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Intune App Inventory erweitert die Softwareinventur in Microsoft Intune und liefert detailliertere App-Daten für verwaltete Windows-Geräte.
  • Die Funktion muss über den Properties Catalog aktiviert werden und nutzt den Microsoft Device Inventory Agent für die Erfassung.
  • Gegenüber Discovered Apps bietet App Inventory mehr technische Metadaten, ist aktuell aber vor allem für gerätebezogene Analysen relevant.
  • Für Security, Patch Management und Helpdesk entsteht der größte Nutzen, wenn App Inventory in bestehende Endpoint-Management-Prozesse eingebunden wird.

1 Was ist Intune App Inventory?

Intune App Inventory ist Microsofts neuer Ansatz zur detaillierteren Softwareinventur auf Intune-verwalteten Windows-Geräten. Die Funktion zeigt, welche Anwendungen auf einem Gerät installiert sind, welche Versionen vorhanden sind und in welchem Installationskontext eine App erkannt wurde.

Damit adressiert Microsoft mehrere Schwächen der bisherigen Discovered Apps: begrenzte Metadaten, verzögerte Aktualisierung und eine eingeschränkte Nutzbarkeit für operative Szenarien wie Security Reviews, Patch Management oder Helpdesk-Analysen. App Inventory soll langfristig der Nachfolger von Discovered Apps werden, ersetzt die bestehende Funktion im Betrieb aber noch nicht vollständig.  

Im Unterschied zu klassischen Inventarlisten liefert App Inventory nicht nur Name, Version und Publisher, sondern auch technische Zusatzinformationen.

Technisch ist App Inventory mehr als eine neue Portalansicht. Die Erfassung läuft über den Microsoft Device Inventory Agent, der auf dem Windows-Gerät als Dienst „InventoryService“ arbeitet. Der Agent nutzt dieselbe moderne Inventarisierungsinfrastruktur, die Microsoft auch für das Advanced Device Inventory verwendet. Die zugehörige Richtlinie wird nicht über den klassischen MDM-Kanal, sondern über MMP-C (Microsoft Management Platform – Cloud) im Declared-Configuration-Modell an das Gerät ausgeliefert. Statt Konfigurationen im klassischen Frage-Antwort-Prinzip zyklisch abzugleichen, gibt MMP-C dem Gerät einmalig einen Zielzustand vor – welche App-Eigenschaften erfasst werden sollen – und der Agent sorgt eigenständig dafür, dass dieser Zustand dauerhaft eingehalten wird. Für den Betrieb ist das wichtig, weil Troubleshooting nicht nur im Intune Admin Center, sondern auch auf dem Client selbst ansetzen kann.

Aktuell richtet sich App Inventory an Windows 10- und Windows 11-Geräte, die in Intune verwaltet und Microsoft Entra-joined sind. Hybrid-Join- oder Co-Management-Szenarien sollten vor einem breiten Rollout gezielt validiert werden, da Microsofts dokumentierte Kernvoraussetzungen vor allem auf Microsoft Entra-joined Windows-Geräte ausgerichtet sind.

2 Welche App-Daten Intune App Inventory erfasst

Der größte Mehrwert von Intune App Inventory liegt in der erweiterten Datenbasis. Bei Windows-Geräten werden Win32-Anwendungen über die Windows-Uninstall-Registry-Keys erfasst. Store-Apps werden über die Package Manager API erkannt. Nach dem ersten vollständigen Upload arbeitet die Erfassung delta-basiert, sodass Änderungen effizienter übertragen werden.

Die folgende Tabelle zeigt zentrale Felder und ihren praktischen Nutzen:

Datenfeld Bedeutung für die Praxis
App Name Name der erkannten Anwendung
App Version Grundlage für Patch-, Risiko- und Kompatibilitätsanalysen
Publisher Hilft bei Herstellerbewertung und Softwarestandardisierung
Architecture Unterscheidung zwischen 32-Bit-, 64-Bit- und anderen Architekturen
Install Scope Zeigt, ob eine App systemweit oder benutzerbezogen installiert ist
Install Scope User Relevant für Multi-User-Geräte und Benutzerkontext
Install location Hilft bei Troubleshooting und technischen Analysen
Install date Nützlich für Ursachenanalyse nach Änderungen
Estimated size Orientierung für Speicher- und Geräteanalysen
Platform-specific app ID Technische Identifikation von Paketen
Uninstall command Wichtig für Remediation, Bereinigung und App Lifecycle Management
Modify command Kann bei Wartung und Reparaturszenarien helfen
Last checked / Last updated Zeigt Aktualität der Inventardaten

Nicht jedes Feld ist in jeder Umgebung gleich wichtig. Installationspfade, Benutzerbezug oder Uninstall-Commands können sehr hilfreich sein, erhöhen aber auch die Detailtiefe der Datenerfassung. Daher sollte vor dem Rollout geprüft werden, welche Informationen tatsächlich für Betrieb, Security und Support benötigt werden.

Eine sinnvolle Einführung beginnt meist mit einer Pilotgruppe. Dort lässt sich validieren, ob die gewünschten Felder zuverlässig gefüllt werden, wie sich die Daten im Portal auswerten lassen und welche Auswirkungen die Richtlinie auf bestehende Prozesse hat.

Für sehr große oder ungewöhnlich ausgestattete Geräte sollte außerdem geprüft werden, ob alle erwarteten Anwendungen vollständig erscheinen. Community-Analysen deuten auf ein inoffizielles Limit von 1.000 Anwendungen pro Gerät hin. Da dieses Limit nicht offiziell dokumentiert ist, sollte es nicht als belastbare Produktgrenze behandelt werden. Die Grenze ist jedoch als Prüfpunkt für Tests und Troubleshooting sinnvoll.

3 Intune App Inventory vs. Discovered Apps: Unterschiede, Grenzen und aktueller Parallelbetrieb

App Inventory und Discovered Apps erfüllen aktuell unterschiedliche Aufgaben in Microsoft Intune. App Inventory liefert die detailliertere Sicht pro Windows-Gerät. Discovered Apps bleibt dagegen relevant, wenn tenantweite Übersichten, Exporte oder Plattformen außerhalb von Windows benötigt werden.

Gleichzeitig ist die Richtung klar erkennbar: Microsoft positioniert App Inventory als langfristigen Ersatz für Discovered Apps. Im Intune Admin Center wird Discovered Apps zunehmend als ältere Sicht eingeordnet, während die neue All-apps-Ansicht mit App Inventory die modernere Grundlage für die App-Erkennung bildet.

Bereich Intune App Inventory Discovered Apps
Fokus Detailansicht pro Gerät Aggregierte App-Sicht im Tenant
Datenumfang Viele technische Metadaten Wenige Basisinformationen
Aktualisierung Mehrmals täglich bei aktiven Geräten Typischerweise seltener
Aktivierung Erfordert Properties-catalog-Richtlinie Standardmäßig vorhandene Intune-Ansicht
Plattformen Aktuell vor allem Windows Breitere Plattformabdeckung
Portalansicht Pro Gerät unter All apps / App Inventory Apps > Monitor > Discovered apps
Reporting / Export Noch eingeschränkt bzw. nicht vollständig klar dokumentiert Praktischer für tenantweite Auswertungen
Rolle im Betrieb Detailanalyse und Troubleshooting Überblick, Aggregation und Bestandssicht

App Inventory beantwortet vor allem gerätebezogene Fragen:

  • Welche Version einer Anwendung ist auf einem bestimmten Endpoint installiert?
  • Wurde die App im Benutzer- oder Gerätekontext installiert?
  • Gibt es verwertbare Uninstall- oder Modify-Commands?
  • Wann wurde die Anwendung zuletzt erkannt?
  • Welche App-Daten helfen bei der Fehleranalyse?

Discovered Apps bleibt stärker, wenn es um übergreifende Fragen geht:

  • Auf wie vielen Geräten ist eine bestimmte Anwendung installiert?
  • Welche Anwendungen sind tenantweit am häufigsten vorhanden?
  • Welche Plattformen müssen in einer Gesamtübersicht berücksichtigt werden?
  • Welche Daten sollen exportiert oder in bestehende Reports übernommen werden?

Die wichtigste Einschränkung von App Inventory liegt daher nicht in der Qualität der Einzeldaten, sondern in der zentralen Operationalisierung. Ein vollständig ausgebauter tenantweiter Aggregat-View, eine klar dokumentierte Reporting-Strecke und eine eindeutige Migrationsstrategie von Discovered Apps sind aktuell noch nicht vollständig greifbar.

Für den produktiven Betrieb ergibt sich daraus eine pragmatische Empfehlung: App Inventory aktivieren, aber Discovered Apps vorerst parallel weiterverwenden. App Inventory eignet sich für detaillierte Windows-Geräteanalysen. Discovered Apps bleibt nützlich für Aggregation, Export und breitere Plattformübersichten.

4 Nutzen für Security, Patch Management und Helpdesk

Der operative Wert von App Inventory entsteht erst, wenn die Daten in bestehende Prozesse eingebunden werden. Besonders relevant sind drei Bereiche: Security, Patch Management und Helpdesk.

Im Security-Kontext hilft App Inventory dabei, installierte Software genauer zu bewerten. Veraltete Anwendungen, unerwünschte Tools oder nicht standardisierte Installationen können Risiken erzeugen. Je besser die Datenlage ist, desto gezielter lassen sich solche Risiken identifizieren.

Typische Security-Fragen sind:

  • Welche veralteten oder potenziell riskanten Anwendungen sind vorhanden?
  • Welche Software wurde außerhalb definierter Standards installiert?
  • Welche Apps sind nur benutzerbezogen vorhanden?
  • Welche Publisher oder Versionen sollten geprüft werden?
  • Welche Geräte benötigen eine gezielte Bereinigung?

Für das Patch Management liefert App Inventory eine bessere Grundlage zur Bewertung von Third-Party-Anwendungen. Gerade außerhalb des Microsoft-Ökosystems ist oft schwer erkennbar, welche Versionen tatsächlich installiert sind. Die zusätzlichen Metadaten helfen, Update-Bedarfe zu priorisieren und erfolgreiche Aktualisierungen besser nachzuvollziehen.

Auch im Helpdesk entstehen konkrete Vorteile. Supportteams können schneller prüfen, ob eine Anwendung installiert ist, welche Version vorliegt, in welchem Kontext sie installiert wurde und ob technische Informationen für Reparatur oder Deinstallation verfügbar sind. Dadurch lassen sich viele Erstanalysen durchführen, ohne sofort direkt auf das Gerät zugreifen zu müssen.

Für Troubleshooting ist zusätzlich der technische Unterbau relevant. Wenn App-Daten nicht erscheinen oder unvollständig wirken, sollte nicht nur die Richtlinienzuweisung im Intune Admin Center geprüft werden. Auch der Microsoft Device Inventory Agent auf dem Client, der Dienst „InventoryService“ und die lokalen Agent-Dateien können Hinweise liefern. Dadurch wird App Inventory stärker zu einem betreibbaren Endpoint-Management-Baustein und weniger zu einer reinen Portalansicht.

App Inventory ersetzt dabei keine saubere App-Management-Strategie. Die Funktion zeigt, welche Anwendungen vorhanden sind. Daraus entstehen aber erst dann belastbare Maßnahmen, wenn Softwarepaketierung, Patch Management, Security Governance und Lifecycle-Prozesse sauber definiert sind.

5 Fazit: App Inventory als Baustein für modernes Endpoint Management

Intune App Inventory verbessert die Softwareinventur in Microsoft Intune deutlich. Die Funktion liefert detailliertere und aktuellere App-Daten für Windows-Geräte und schafft damit eine bessere Grundlage für Betrieb, Security, Patch Management und Helpdesk.

Gleichzeitig sollte App Inventory aktuell nicht als vollständiger Ersatz für alle bestehenden Reports verstanden werden. Discovered Apps bleibt weiterhin relevant, insbesondere für tenantweite Übersichten, Exporte und Plattformen außerhalb von Windows. Der sinnvollste Ansatz ist daher ein kontrollierter Parallelbetrieb mit klarer Aufgabenverteilung.

Für IT-Organisationen ist App Inventory vor allem dann wertvoll, wenn es nicht isoliert betrachtet wird. Erst in Verbindung mit App Management, Softwarepaketierung, Third-Party-Patching, Security Reviews, Helpdesk-Prozessen und einer sauberen Intune-Strategie entsteht ein echter operativer Nutzen. Genau hier kann unser Intune Consulting helfen: bei der Bewertung bestehender Intune-Prozesse, der sinnvollen Einführung von App Inventory und der Einordnung in ein belastbares Endpoint-Management-Konzept.

Über den Autor:

Thore beschäftigt sich seit 2011 ausschließlich mit Endpoint Management und Endpoint Security Themen. Anfangs fokussiert auf Softwarepaketierung und Softwareverteilung mit Microsoft MECM/SCCM und Ivanti DSM ist er heute gefragter Gesprächspartner, wenn es um Unified Endpoint Management, Systemhärtung, Patch Management und Endpoint Protection geht. Im Fokus stehen dabei insbesondere die Microsoft Technologien Intune, Configuration Manager, Entra und Defender. Thore ist Mitgründer des Expertenzirkels "Endpoint Management" im IAMCP e.V.

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